Einladung bei Lady Ada

Autor: Christoph Karl Walter Grein

Neulich saß ich wieder einmal vor den neuen Ada95-Manualen und kämpfte mich durch die Vergnügen der Objektorientiertheit: Polymorphie, Vererbung, Dispatching ... alles was das Herz begehrt. Trotzdem ist das auf die Dauer eine recht trockene Angelegenheit. Meine Lider senkten sich, ich war kurz davor einzuschlafen, da plötzlich hörte ich eine leise Stimme, die mir zurief. Ich drehte mich um; eine junge Dame stand in der Tür meines Arbeitszimmer und winkte mir zu.

Ich blinzelte. Wer war sie? "Nun, was ist?" Sie wurde ganz offensichtlich ungeduldig.

Ich schaute genauer hin - das war doch ... Ja, tatsächlich, Lady Ada persönlich! Ich sprang auf und ging zu ihr. Freundlich wie einen alten Bekannten begrüßte sie mich und nahm mich beim Arm. "Gehen wir, ich finde, das war genügend von dem trockenen Zeug!" sagte sie und zog mich aus dem Raum. Sie habe ein schönes Abendessen für zwei vorbereitet, ob ich nicht in einer Stunde bei ihr sein wolle, sie müsse sich vorher nur noch ein wenig zurecht machen? Damit entschwand sie.

Wie im Traum stand ich da ...

Pünktlich zur verabredeten Zeit stand ich mit einem riesigen Blumenstrauß aufgeregt vor ihrer Tür. Auf mein Klingeln öffnete sich die Tür, ich trat ein, sanft fiel die Tür hinter mir ins Schloss. Leise orientalische Musik kam aus dem Wohnzimmer und ein betörender Duft erfüllte die Wohnung. Zögernd schritt ich weiter, klopfte an.

Sie sah hinreißend aus in ihrem langen samtig grünen, tiefausgeschnittenen Kleid. Ihr Haar hatte sie mit einer weißen Nelke aufgesteckt. Der Speiseraum war intim von Kerzen erleuchtet. Sie führte mich an den festlich gedeckten Tisch:

Sie hieß mich Platz zu nehmen. "Halt, eine Kleinigkeit fehlt noch", unterbrach sie mich, als ich zulangen wollte, und stellte auf den einzig noch freien Platz (*) eine Batterie Weinflaschen:

Der Erfolg war umwerfend. Als ich mit ihr anstieß und den ersten Schluck zu mir nahm, schwanden mir die Sinne. Ich sah gerade noch, wie Lady Ada plötzich eine Zauberstab schwang, ein spitzbübisches Grinsen, das so gar nicht zu ihr passen wollte, in ihrem hübschen Gesicht, dann wurde mir schwarz vor Augen.

Ich erwachte von einem schrillen Ton und einem unangenehmen Druck auf der Stirn. Als ich die Augen öffnete, saß ich in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch, mein Kopf war auf die Tastatur gefallen. Der schrille Ton kam aus dem Computer, offensichtlich war der Eingabepuffer übergelaufen, der Bildschirm quoll über mit Fehlermeldungen des Compilers - und zu allem Überfluss kam auch noch mein Chef daher, um sich über den Fortschritt meiner Arbeit zu erkundigen. Ich wies nur hilflos und verwirrt auf den Monitor, wo der Compiler den Katenierungsoperator "&" als zweideutig zurückwies.

Wie konnte Lady Ada mit dem Wein, der noch dazu nicht einmal benutzt wird, das vorher so schmackhafte Menü ungenießbar machen?

Lösung